German Rock News 9 - Juni 1999 - Burg Wilhelmstein |
| Veröffentlicht von Administrator (admin) am 01/06/1999 |
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Einmaliges Konzert in Urbesetzung
Es war wunderschönes Wetter in Bremen, als ich mich mit 4 gleichgesinnten Musikfreunden gegen Nachmittag in Richtung Aachen aufmachte.
Um 19 Uhr sind wir dann bei gleicher Wetterlage und vor allem staufrei in Würselen bei Aachen angekommen und staunten erstmal über die Menge an Fans, die sich auf den überdachten Rängen der Freilichtbühne Burg Wilhelmstein tummelten. Es waren doch tatsächlich an die 600 Leute (damit war die Kapazität bereits erreicht), die sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen wollten. Und einige Fans sind von weit her gekommen, noch viel weiter als Bremen! Bei einem Kartenpreis von 39,- DM sollte man ja auch etwas erwarten können.
Wie ich dann durch Befragen der Merchandise-Verkäufer, die übrigens beides Söhne von Musikern der Band waren, erfuhr, war das Zustandekommen dieses Auftritts nicht etwa, wie vermutet, das 30-jährige Bandjubiläum, sondern absolut spontan.
Der Bürgermeister höchstpersönlich (selbst ein Freund des Krautrock), hat ein Bandmitglied nach einem Auftritt seines Musikprojektes vor einem halben Jahr gefragt, ob er nicht Lust hätte, mal wieder mit seinen alten Kollegen von 1969 auf die Bühne zu kommen. Nun - gesagt - getan mobilisierte er die engagierten Musiker, die alle begeistert von der Idee waren. Es kam zum Auftrittstermin.
Als das Konzert um 20.15h in der Originalbesetzung begann, kam man sich an den Anfang der 70er Jahre zurückversetzt vor. Das Durschnittsalter der Zuhörer lag zwar zwischen 45 - 50 Jahren, aber die Musik hatte sich nicht verändert. Es war fantastisch! Besonders bemerkenswert war die Leistung von Klaus Gülden, der beim Titel "Summertime" ein Querflötensolo präsentierte, das bei der herrlichen Akustik des Veranstaltungsortes ein wahrer Hochgenuß war. Tatsächlich spielte die Band ihr Debut "Weiß der Teufel" von 1971 komplett durch, wobei zwischen den Stücken immer wieder Passagen mit neuereren kreativen Songs zu hören waren, unter anderem Tracks von der 1994 erschienenen LP-Box "Avalon and on". Auch die zweite Platte "Phallobst" war mit Songs wie "Portland Town" oder "Makröjel" vertreten. Das wunderschöne Stück "Knight of third degree" wurde zur Begei-sterung der Fans gespielt, was nur bei einer perfekten Akustik möglich ist - und die gab es ja. Dies führte dann auch zum ersten Beifallsturm. Überhaupt war das Publikum nach dem zweiten Titel des Abends zu einer Einheit verwachsen, die auch die Band bemerkenswert fand und begeisterte (so Udo Dahmen).
Eine Bereicherung der Gruppe war Gero Körner, der die Hammond-Orgel spielte und mit seinen jungen 23 Jahren dem Publikum bewies, daß es auch noch in dieser Generation echte Vollblutmusiker gibt. Grandiose Leistungen lie-ferten Helmut Lieblang (bass) sowie natürlich Günter Krause (guitar, vocals), der noch genauso sang wie 1971.
Der Höhepunkt des Abends war dann das Schlagzeugsolo von Multitalent Udo Dahmen. Das man von einem Adviser bei Pearl/ Sabian in Deutschland sowie Professor für populäre Musik in Hamburg ein Solo der Extraklasse erwarten kann, war eigentlich sicher - aber was Udo Dahmen dem Publikum bot, war einmalig. Ihm gelang es dann schließlich auch, die gesamten ca. 600 Menschen wirklich komplett in den Bann zu ziehen.
Ich selbst habe eine solch enorme Energie während eines Konzerts noch nicht erlebt, obwohl ich Bands wie PINK FLOYD vor 60 000 Zuschauern gesehen habe. So ein Ereignis kann man schwer beschreiben - man wird es aber nie mehr vergessen. Die Band beendete um 22.30 Uhr das Konzert und hatte somit ohne Pause 135 Minuten gespielt.
Für mich gehört dieses Konzert zu den besten, die ich bis heute gesehen habe. Zu meiner Freude habe ich nach Konzertende gehört, das die Gruppe wegen des ungeheuren Erfolges bei diesem Auftritt (mit dem sie nicht im Ge-ringsten gerechnet hat - ich übrigens auch nicht), demnächst einen weiteren Auftritt in Aachen im "Katschhof" plant. Ich appeliere an jeden Freund des Krautrock bzw. German Rock: wenn es irgendwie möglich ist, solltet ihr euch das nicht entgehen lassen!
Alexander Zuk
Zuletzt geändert am: 08/02/2010 um 09:15
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