Aachener Zeitung, 23. Juni 2001 - Der Teufel vor dem Dom |
| Veröffentlicht von Administrator (admin) am 23/06/2001 |
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Der Teufel vor dem Dom und die Fans im siebten Himmel
Nicole Patelke aus Neukirchen trägt manch handverlesenes Arbeitsgerät ihrer Idole direkt überm Herzen. Drei Original-Gitarrenplektrums von Scorpions-Star Rudolf Schenker baumeln um ihren Hals - kostbarer Kunststoff, wo andere am liebsten Edelmetall glitzern lassen - das trägt die leidenschaftliche Rock-Reisende lieber im Herzen.
«Wir kennen uns doch», strahlt Tanja Eisenstein aus Übach - kein Wunder. Die Beiden kleben fast immer als erste an den Absperrgittern - Stunden, bevor die (gar nicht mehr so) harten Helden aus Hannover loslegen. 100 Minütchen später haben die Damen den Kampf um die Pole-Position am dicht bedrängten Einlass ganz locker «ausgesessen».
Da ahnen sie nicht, dass «der Rudi», Saiten-Guru Schenker, sich im Ratskeller noch Steinpilze mit Spargel zu Gemüte führt - völlig unbehelligt, wenn man von der kühlen Blonden zur Rechten und dem kühlen Pils zur Linken mal absieht -, während seine Kollegen sich bereits «am Set warmmachen». Knallrote Lederjoppe, dunkle Gläser, strohgelber Kurzschnitt - nicht nur äußerlich wirkt der wohl erfolgreichste Rock-Gitarrist der Republik total cool. «Aachen bietet wirklich eine tolle Kulisse», raunt er lässig. «Unser 'Acoustic'-Programm passt hervorragend zu diesem historischen Ort.» An Atmosphäre kann der's selbst mit dem Platz der Republik in Paris aufnehmen - wo die «Scorps» noch am Vortag rund 80 000 beglückt haben.
Während der kultige Kollege die Ruhe vor dem großen Sturm dergestalt zu nutzen weiß, sind die Lokalmatadoren von Rufus Zuphall längst bei der Arbeit - erst mal hinter der Bühne. Gitarrist Günter Krause schleppt seinen antiken AC-30-Verstärker - wie gehabt - höchst persönlich. Ebenso wie für seine langjährigen Blues-Begleiter Helmut Lieblang (Bass), Klaus Gülden (Querflöte), Gero Körner (Keyboards) und Roland Hegel (Schlagzeug) lässt er sich auch diese tragende Rolle keinesfalls aus der Hand nehmen. «Niemals», meint er trocken, als ein Scorpions-Roadie sich anheischig macht, ihm den Klassiker der Rock-Röhren abzuschwatzen. Den fünf Rufus-Recken ist das famose Comeback nach rund 30 Jahren offenbar überhaupt nicht zu Kopfe gestiegen - obwohl: «Eine Wiedervereinigung nach so langer Zeit - das ist nicht mal den Beatles gelungen», flachst Lieblang.
Weiß der Teufel, könnte man mit dem einstigen Tophit der bekennenden Krautrocker konzidieren. Natürlich wird auch der heute nicht fehlen. Selbst die Seelenhüter nebenan im Münster werden's den sympathischen Herren kaum verübeln - oder? Von wegen Comeback: Immerhin, erzählt Bluesrocker Krause, hat er seine ersten Künstler-Weihen dereinst gleich um die Ecke erhalten. Da darf er getrost - und zur nachhaltigen Freude der Fans - auch die jüngsten Werke aus der aktuellen Produktion «Colder than Hell» Richtung Rathaus schmettern. Keine Frage: Als die Topstars von der Leine um 21.15 Uhr die Bühne entern, schwelgen mit Nicole und Tanja schon rund 5000 Fans im siebten Kultursommer-Himmel.
Matthias Hinrichs
Zuletzt geändert am: 08/02/2010 um 09:19
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